Drei Doppelgänger um fünf Uhr morgens [Blog]

Wenn ich beim Aufwachen Vögel vor dem gekippten Schlafzimmerfenster zwitschern, weiß ich, es ist nicht mehr mitten in der Nacht. Dann weiß ich, der Morgen naht. Wenn ich um fünf Uhr morgens aufwache und nicht mehr einschlafen kann, weiß ich, sie müssen endlich raus aus meinem Kopf.

Ein paar von ihnen sind bereits vor dem Einschlafen da. Die meisten aber scheinen erst im vogelbezwitscherten Halbdunkel aufzutauchen. Und dann, dann lassen sie mich einfach nicht mehr schlafen. Sie geben keine Ruhe. Bis ich sie rauslassen, all die Geschichten. Dann ziehe ich mein Notizbuch aus dem Bücherhaufen neben dem Bett und schreibe sie raus aus dem Kopf, rein in die leeren Seiten.

Gestern waren es Geschichten, die mir frühmorgens von drei Doppelgänger-Gedanken serviert wurden. Und weil ich sie rausschreiben musste, darfst du liebe Leserin, lieber Leser, jetzt hier teilhaben:

Nr. 1: die Doppelgänger unter den Flaggen

Ja, richtig gelesen, unter den Nationalflaggen der Welt gibt es Doppelgänger. Tatsächlich: Es gibt Flaggen, die sich bis auf kleinste Nuancen zum Verwechseln ähnlich sehen. Am Vortag der morgendlichen Doppelgänger-Gedanken-Parade lehrte mich dies die wunderbare Infografik in der jüngsten Ausgabe der Zeit, der Wochenzeitschrift. Als alter Hobby-Vexillologe (ja, den Begriff habe ich auch auf dieser Doppelseite gelernt) war ich begeistert von dieser neuen Erkenntnis und musste dieses Wissen gleich mit meinem Lieblingsbruder teilen. Weil ich weiß, dass er Rätsel liebt, und ich selbst Rätsel liebe, habe ich ihn natürlich raten lassen. Eine Freude, offenbar so eine große, dass ich im Bett und bei Vogelgesang nochmals darüber nachdenken musste. (Damit die Rätselfreunde ohne Zeit-Abo hier weiterlesen: Welche drei Landesflaggen einen Doppelgänger haben, erfahrt ihr am Ende dieses Textes. Also nicht gleich flaggengoogelnd davonsurfen.)

Nr. 2: der Doppelgänger von Charly Chaplin

Charlie Chaplin hat weltweit wahrscheinlich tausende Doppelgänger. Einer davon arbeitet in Wien vor einem Fastfoodlokal. Ich spreche von StraßenkünstlerInnen und von einem besonderen Straßenkünstler in Chaplin-Montur, den ich kürzlich kennenlernen durfte.

Charlie alias Jozef hat mir seine Geschichte erzählt. Und nun überlege ich hin und her, wie ich seine Geschichte erzählen soll. Und was ich noch von Jozef wissen will. Jozefs “kleine” Geschichte soll die “große” Geschichte vom Lebensalltag von StraßenkünstlerInnen (in Wien) erzählen. Die Geschichte, wie man als StraßenkünstlerIn seine Familie ernähren und die Ausbildung der Kinder finanzieren kann. Die Geschichte, wie man in den schönsten Städten der Welt PassantInnen zum Lachen bringt und abends auf harten Parkbänken schläft, um den Tagesverdienst zu sparen. Ich bin jedenfalls sehr dankbar, dass dieser spezielle Doppelgänger seine Geschichte mit mir teilt und freue mich diese weitergeben zu können – mehr dazu hoffentlich in Kürze.

Nr. 3: der Doppelgänger als Lehnwort

Wir wissen: Auch unter den Wörtern gibt es Doppelgänger, also dieselben Buchstaben aneinandergereiht, dieselbe Bedeutung, aber einfach in einer anderen Sprache zuhause. Die Rede ist von den sogenannten Lehnwörtern. Da leiht etwa das Englische vom Deutschen und vice versa. Die schlaue LeserInnenschaft ahnt es bereits: “doppelganger” ist ein ebensolcher Doppelgänger. Grandios.

In meinen Kopf gepflanzt hat diesen Doppelgänger-Gedanken jedenfalls die Autorin Lauren Kessler, bei der ich kürzlich zwei spannende Seminare zum Thema Storytelling besuchen durfte – in english of course. Im Vorfeld hatte ich “angst” wie vor dem “poltergeist”, dass mein Englisch nicht gut genug sein würde, um hier passable Texte schreiben zu können. Dass ich also wie jemand aus dem “kindergarten” daherschreiben würde. Als hätte ich nur “sauerkraut” im Kopf. Doch die Tage mit Lauren und den Journi-KollegInnen waren eine große Freude. Ich liebe es einfach mich den ganzen Tag mit dem Schreiben und mit Geschichten auseinanderzusetzen. Diese Tage haben mir endgültig gezeigt, dass ich beim Schreiben zuhause bin. “Urheimat”, quasi. Von der „uber“-Schreiberin Lauren zu lernen war schlicht ein Geschenk. Voll der Begeisterung habe ich mich sogleich für die von ihr veranstaltete Transatlantic Storytelling Sommer School in Seattle beworben und hoffe hierfür ein Stipendium von der Amerikanischen Botschaft in Österreich zu bekommen. Fingers crossed! (Update 29.5.: Ich habe das Stipendium bekommen und werde Anfang August knapp zwei Wochen in Seattle schreiben, Geschichten sammeln und von Lauren lernen.)

Lauren war es auch, die mir den Impuls gegeben hat, regelmäßig Blogbeiträge zu schreiben, um das Schreib-Handwerk zu praktizieren, um zu üben. Deswegen wird es an dieser Stelle künftig regelmäßig – einmal wöchentlich? – etwas über den “blitzkrieg” in meinem Kopf zu lesen geben. Zu hoffen nur, dass dieser nicht des Öfteren um fünf Uhr morgens ausbricht.

(Ach ja, die Flaggen-Doppelgänger: Indonesien & Monaco, Tschad & Rumänien, Liechtenstein & Haiti.)

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